npd-niederbayern.de - NPD Bezirksverband Niederbayern

08.03.2020

Lesezeit: etwa 3 Minuten

Künftige EZB-Strategie nur alter Wein in neuen Schläuchen?

Geldpolitische Insolvenzverschleppung - Kapital wird fehlgelenkt

Sascha A. Roßmüller

Der Konjunkturmotor in der Eurozone begann bereits zu stottern noch ehe der Corona-Virus der Wirtschaft Probleme bereitete. Sollte zudem nun auch noch der Finanzsektor in einen erneuten Krisenmodus geraten, wäre eine Verschärfung der sozialen Schieflage keineswegs unwahrscheinlich, welche die immer inhomogeneren Gesellschaften gefährlich destabilisieren könnte. Der ehemalige Chefökonom der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, warnte erst Mitte Dezember vor einer Krise von "neuer Dimension"."Das jahrelange Niedrigzinsumfeld und erst recht negative Zinsen verleiten fast zwangsläufig dazu, dass Investoren bei der Suche nach Rendite Risiken eingehen, die sie nicht voll überschauen und die sie auch nicht meistern können, wenn diese Risiken plötzlich eintreten", zitierte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) den Experten. Der Bundesverband deutscher Banken mahnte Mitte Januar in einem Papier zum Thema Negativzinsen, dass diese Banken wie Kunden gleichermaßen träfen und forderte die EZB zu handeln auf.

EZB-Chefin Christine Lagarde kündigte zwar bis Ende 2020 eine neue EZB-Strategie an, allerdings äußerte sie nach ihrem Amtsantritt auch: „Es gibt eine Grenze, wie tief man in den negativen Bereich vordringen kann. Es gibt bei allem einen Boden, aber den haben wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erreicht.“ Dies deutet nicht auf eine Trendwende bei der lockeren Geldpolitik hin. Überdies sind für die Banken im Euroraum aufgrund neuer EZB-Regeln künftig geringere Kapitalanforderungen erforderlich als bislang.Berechnungen zufolge werde dies zu einer durchschnittlichen Verringerung der harten Kernkapitalforderungen (CET 1) um 90 Basispunkte führen. Zudem droht die EZB neben der unzulässigen Staatsfinanzierung über das System der Anleihenkäufe unter Lagarde ihr Mandat noch durch eine weitere politische Selbstermächtigung zu überschreiten. Die Draghi-Nachfolgerin rief dazu auf, dass möglichst alle europäischen Institutionen beim Kampf gegen die Erderwärmung mitmachen müssten. Heißt dies, dass neben der künstlichen Zinspolitik eine weitere Marktverzerrung erfolgt, indem die EZB gezielt nur noch Unternehmensanleihen nach Maßgabe der CO2-Bilanz aufkaufen wird? Nicht zu vergessen, dass in dem Maße, wie Institutionen mit nicht gewählter Führung zunehmend politischen Einfluss ausüben, die Wahl von Parlamenten zu grotesken Alibiveranstaltungen verkommt.

Die EZB-Marktverzerrung ist längst bedenklich. Etwa ein Viertel der ausgegebenen Staats- und Firmenanleihen in den Industrieländern weisen bereits eine negative Rendite auf, wodurch Investoren verleitet werden, auf möglicherweise riskante und nur deshalb Rendite versprechende Anlagemöglichkeiten auszuweichen. Diesbezüglich lockten vor allem die Entwicklungs- und Schwellenländer. „Die Welle der Verschuldung seit der Finanzkrise ist in ihrer Größe, Geschwindigkeit und Reichweite in den Schwellen- und Entwicklungsländern beispiellos“, konstatierte unlängst die Weltbank. Von 2010 bis 2018 explodierte die Verschuldung in den Schwellen- und Entwicklungsländern um 54 Prozentpunkte auf 168 Prozent deren Wirtschaftsleistung, ohne dass jedoch dabei die öffentlichen Investitionen profitiert hätten, im Gegenteil sanken diese sogar von etwa zwei Prozent des BIP im Jahrzehnt zuvor auf unter ein Prozent von 2010 bis 2018.

In der Eurozone beeinträchtigte die EZB-Geldpolitik das Produktionswachstum, indem die nicht-marktkonformen Zinsen eine Art Insolvenzverschleppung für unrentable Unternehmen ermöglichten. Laut dem Bankhaus Metzler steigt die Zahl sogenannter „Zombie-Unternehmen“, deren Erträge geringer sind als ihre laufenden Zinskosten, seit einiger Zeit nicht unerheblich an und macht mittlerweile mehr als zwölf Prozent aller börsennotierten Unternehmen aus. Vor knapp 30 Jahren lag dieser Anteil bei nur zwei Prozent. Der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zufolge sind in Deutschland 7,9 Prozent der Unternehmen als "nicht kreditwürdig" einzustufen, immerhin fast 295.000 Firmen. In Griechenland betrifft dies – so eine Studie der Wirtschaftsprüfungskanzlei PWC - sogar 25 Prozent der Unternehmen. Volkswirtschaftlich gesehen spielt sich hier vor unseren Augen eine gigantische Fehlallokation von Ressourcen ab, auf die bereits 2017 die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in einem Arbeitspapier hingewiesen hat. Die permanente Wiederanwendung der geldpolitisch identischen Rezepte wird aber auch künftig keine marktwirtschaftlich anderen Ergebnisse erwarten lassen – soviel dürfte feststehen. Eine strategische Umkehr in der EZB-Politik zeichnet sich aber bislang nicht ab. Als Alternative bliebe dann eine Abkehr der Bundesbank von der EZB.

Neuen Kommentar schreiben

Bitte keine Beleidigungen oder strafrechtlich Relevantes, sonst werden Ihre Daten an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet.
3.226.243.36
Bitte akzeptieren Sie Cookies.
Bitte geben Sie die Zahlen aus dem Bild ein (Spamschutz).
Bitte geben Sie Ihren Namen ein! Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse ein. __KEINE_GUELTIGE_EMAIL__ Bitte Kommentar eingeben Bitte geben Sie die angezeigte Zahlenfolge ein. Bitte lesen und bestätigen Sie unsere Datenschutzerklärung.
» Zur Hauptseite wechseln

Bildschirmauflösung:  X  px Pixeldichte: